Zwischen den Talgründen von Laiblach und Rotach liegt Lindenberg, die Stadt im Vierländereck, seit 1926 staatlich anerkannter Höhenluftkurort, großer Wirtschaftsmittelpunkt im bayerischen Teil des Westallgäus. Urlaub und Wellness lassen sich in Lindenberg auf ideale Weise verbinden beim Fastenwandern mit dem Mond. Auch Kräuter- und Wanderwochen bieten abwechslungsreiche Erholung.
Kleiner Blick ins Geschichtsbuch
Bereits im ausgehenden 7. Jahrhundert lagen die Anfänge einer alemannischen Besiedlung des Ortsbereiches in der Nähe der Römerstraße „Via Decia“ Richtung Bregenz sowie unweit der Salzstraße, die den Bodenseeraum mit Südostbayern verband. Am 27. April 857 wurde „Lintiberc“ erstmals urkundlich erwähnt. Ein bedeutendes wirtschaftliches Standbein war schon Anfang des 17. Jahrhunderts der Rosshandel. Der italienische Rosshandel hat auch die Kunst der Strohhutflechterei in die Stadt gebracht.
Lindenberg wurde als Mittelpunkt der Strohhutindustrie weltbekannt und brachte der Stadt den Beinamen „Klein Paris“ ein: Lindenberger Modistinnen wurden nach Paris geschickt, um dort die Mode genau zu studieren. Die Wagnersche Kompanie verkaufte jährlich 30.000 Strohhüte. Die höchste Produktion erreichte die Hutfabrikation 1913 mit etwa 8 Mio. Stück.
Sehenswürdigkeiten
Die Pfarrkirche St. Aurelius wurde vermutlich im 13. Jahrhundert errichtet. Sie wurde im Jahre 1636 von den einfallenden Schweden abgebrannt. Der Wiederaufbau dauerte bis etwa 1660. Im Jahre 1776 wurden die Gebeine des hl. Aurelius aus Rom überführt. Dem Translationsfest der Erhebung der Aureliusreliquien am Georgstag des Jahres 1777 wohnten 12.000 Menschen bei. Der Kirchenbau sowie der 28 m hohe Turm schließen mit einem Satteldach. Man findet zum Teil noch mittelalterliche Mauerbestände.
Stadtpfarrkirche St. Petrus und Paulus feiert am 29. Juni ihr Patroziniumsfest. Der neubarocke Kirchenbau des Münchener Architekten Prof. Franz Rank (1870 – 1950) wird wegen seiner Ausmaße auch gerne „Westallgäuer Dom“ genannt. In einer Raumnische seitlich der ellipsenförmigen Vorhalle befindet sich eine sog. Lourdes-Grotte.
Die Orgel mit ursprünglich 53 klingenden Registern und 3 Manualen aus der Werkstatt Josef Zeilhuber in Altstädten bei Sonthofen im Allgäu wurde 1934 eingeweiht.
Am Westausgang der Stadt steht die Marienkapelle, der älteste Lindenberger Sakralbau. Bei der Renovierung wurde ein Deckengemälde freigelegt, das darüber Aufschluss gibt, dass die Kapelle um 1680 ihr jetziges Aussehen erhielt. Die Glocke trägt die Jahreszahl 1549. – Die auf dem Nadenberg gelegene Martinskapelle (Patrozinium 11. November) wurde im neubarocken Stil erbaut und 1910 geweiht. Die Kostbar-Blut-Kapelle in Goßholz wurde in Blockbauweise errichtet. Zu ihrer wertvollen Ausstattung zählt das Altarblatt aus dem 18. Jahrhundert mit der Darstellung der Kreuzigung Christi. Die Ölbergkapelle in Ratzenberg wurde um 1800 erbaut. Die Figuren des Ölbergchristus und des auferstandenen Christus stammen aus der Zeit um 1480/1500. Der Altar ist in neubarocker Form gestaltet.
Museen
Das städtische Hutmuseum zeigt die Geschichte einer Industrie, von deren Produktion die Lindenberger lange fast ausschließlich gelebt haben. Die Exponate belegen eine erstaunliche Vielfalt, sowohl in der Tracht als auch in der Mode. Die Ausstellungsstücke werden mit Gemälden, Zeichnungen und Fotografien ergänzt. Zirka 250 Hüte sind im Museum zu bewundern. Gefüllt mit Hutgeschichte ist dieses Museum eine echte Rarität in der großen Museumslandschaft.
Das Museum ist jeden Mittwoch von 15 bis 17:30 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet (Tel. 80328). Von Juli bis Mitte Sept. gibt es jeden Mittwoch Führungen, teilweise mit Schaunähen. Vorherige Anmeldung erbeten in der Tourist-Information (Tel. 80328), Sonderführungen für Gruppen nach Vereinbarung.
Kulturelles
Lebendige Kultur und Brauchtum prägen das Lindenberger Leben: Theater, Musik, Ausstellungen, mal modern, mal traditionsbewusst. Klassische Konzerte locken in den Löwensaal, Kleinkunst ins Bistro KiK.
Die Städtische Bücherei, Brennterwinkel 4 (Tel. 9265510) ist geöffnet Dinstag von 10:00 bis 12:00 Uhr und von 15:00 bis 19:00 Uhr, Mittwoch, Donnerstag, Freitag von 15:00 bis 18:00 Uhr, Samstag von 10:00 bis 12:00 Uhr.
Feste + Feiern – Ein Blick in den Jahreslauf
Alljährlich am 6. Januar findet traditionsgemäß das Dreikönigsreiten statt. Am 1. Mai wird der Maibaum aufgestellt. Ganz hoch im Kurs steht jedes Jahr am Tag vor Christi Himmelfahrt die Lindenberger Musiknacht, die für jeden Musikgeschmack einen Leckerbissen bieten. Höhepunkte im jahreszeitlichen Reigen der Feste sind das Stadt- und Kinderfest am dritten Juli-Wochenende und der Huttag am dritten Sonntag vor Pfingsten. Nach dem Motto „Hut ist in“ und „ohne Hut geht man nicht – schon gar nicht zu dem Ereignis in Lindenberg schlechthin. Im Jahr 2000 wurde am Huttag der größte Hut der Welt enthüllt. Der erste Sonntag im Juni steht ganz im Zeichen der Blasmusik. Am vierten Juli-Wochenende findet das Volksfest der Stadtkapelle am Waldsee statt. Das letzte Augustwochenende trifft sich alles beim Internationalen Käse- u. Gourmetfest. Die Westallgäuer Kunstausstellung im November bringt noch einmal Farbe in die graue Jahreszeit. Weihnachtsmarkt, Adventssingen und Weihnachtssingen beschließen den kulturellen Reigen.
Freizeit- und Sportmöglichkeiten
Im Sommer
Jeden Montag um 11 Uhr kann der Feriengast bei einer Stadtführung auf Entdeckungstour gehen. Es gibt viel zu erkunden auf den Spuren der Pferdehändler und Hutmacher, die die Allgäustadt geprägt haben. Während der Sommermonate findet jeden Dienstag um 17:30 Uhr eine Käsereiführung statt. Das Naturfreibad ist im Sommer täglich von 08:30 Uhr bis 19:30 Uhr geöffnet (Tel. 940772). – Informationen über Ballonfahrten erteilen Ballonsportclub Westallgäu, Frau Böllmann (Tel. 08384 1243) und Westallg. Luftsportgruppe, Werner Bauer (Tel. 08381 7030). – Gartenschach findet man Ecke Hauptstraße/Hirschstraße.
Im Winter
Langlauf
Eine Skiwanderung durch das Landschaftsschutzgebiet am Waldsee hat nicht nur sportliche Reize, sondern wird auch zu einem besonderen Erlebnis für den Naturfreund. Die Hansenweiherrunde, Skiwanderweg 1, führt durch leichtes Gelände und ist 4 km lang (kleine Runde 3 km). Sie beginnt und endet beim Hallenbad, mit Verbindungsloipe beim Parkplatz Autohaus Keller. Die Skatingloipe beginnt ebenfalls am Hallenbad. Es besteht Anschluss an das Netz der Scheidegger Skatingloipen. Start für die 6 km lange Waldseerunde ist am Spielermoos, am Ratzenbergparkplatz oder hinter dem Waldseehotel. Wer die Schönheit der Lindenberger Loipen ausgiebig genossen hat und nun auch die anderen im Verbundsystem angeschlossenen Skiwanderwege des Westallgäus kennen lernen will, der kann im Städt. Verkehrsamt geeignetes Prospektmaterial der gesamten Region erwerben.
Der zugefrorene Waldsee lädt auch ein zum Eislaufen und Eisstockschießen.
Ganzjährig
Das Hallenbad (Tel. 82504) ist von Montag bis Mittwoch von 15 bis 21 Uhr geöffnet, am Mittwoch außerdem von 10 bis 12:30 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Vom 15. August bis 14. September bleibt das Hallenbad geschlossen.
Jeden Freitag um 19:30 Uhr trifft man sich im Gasthof „Bayerischer Hof“, Hauptstr. 82 (Tel. 08381 92550) zum Schachspielen. Kegelbahnen gibt es im Hotel „Bavaria“, Manzen 8 (Tel. 1326), im Gasthof „Bräuhaus“, Hirschstr. 16 (Tel. 1693), im Tivoli, Staufner Str. 20 (Tel. 83600), im Gasthof „Münchner Kindl“, Pfänderstraße 2 (Tel. 7252) und im Gasthof „Schönblick“, Ried 2 a (Tel. 6993).
Wandern
Vom Aussichtsturm des Feriendorfes Nadenberg, nördlich von Lindenberg, hat man einen schönen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung, auf den Bodensee und die Alpen.
Um Lindenberg zu Fuß zu umrunden braucht man ungefähr 4 Stunden. Der Weg ist mit „Rund um Lindenberg“ ausgeschildert und bietet auf 13,5 km immer wieder Einkehrmöglichkeiten.
Sehr schön ist auch eine Wanderung zu den Scheidegger Wasserfällen. Im Anschluss daran überquert man die Alpenstraße und den Parkplatz und hält sich bergauf an die Schilder „Ostkinberg, Wendelinskapelle“. Nach der Besichtigung der kleinen Kapelle wandert man weiter bergauf durch das Feriendorf nach Allmannsried. Hinter dem Ort führt ein Sträßlein und später ein Feldweg in östliche Richtung durch Wald und Feuchtwiesen zum Waldsee und bekannte Wege wieder zurück zur Stadtmitte.
Lohnend ist auch eine Wanderung zum stadtnahen, idyllisch gelegenen Waldsee oder zu dem Findling „Drei Schwestern“, einem Erratischen Block aus der letzten Eiszeit.
Radfahren
Eine gemütliche Familientour geht von Lindenberg über den Radweg Pfänderstraße nach Scheidegg, dem Hirschberg entgegen. Ein lohnender Ausflug mit herrlicher Aussicht auf den Bodensee führt nach Lutzenreute. – Einmalig ist eine Tour nach Malaichen, wo ein idyllischer Biergarten alle Mühe vergessen lässt. Eine Radtour nach Bregenz lässt sich mit der Pfänderbahn kombinieren, wo die Fahrräder mitgenommen werden können. Auf der Ostseite des Pfänders entlang geht es weiter über Jungholz, Lutzenreute, am Bach entlang bis Weienried und über Scheidegg wieder zurück zum Ausgangspunkt Lindenberg. Ein weiterer lohnender Ausflug führt über Scheidegg, Hörbranz, und Bregenz zum Wirtatobel. – Eine sportliche Herausforderung ist der Sulzberg. Von den verschiedenen Varianten sind die Auffahrten von der Südseite her landschaftlich besonders schön. – Reizvoll sind auch die Touren nach Isny oder Wangen. – Fahrradverleih bieten an: Bayernpark, Nadenberg, Vermietzeiten Montag bis Freitag von 8:00 bis 11:00 Uhr (Tel. 6001) und Tourist-Information, Vermietzeiten Montag bis Freitag von 9:00 bis 12:00 Uhr (Tel. 80328).
Besonderes und Einzigartiges
Wie kommen die Löcher in den Käse? Das und noch viel mehr rund um den Emmentaler lernt man in den zahlreichen Schausennereien entlang der Westallgäuer Käsestraße, die sich eingebettet in die reizvolle Allgäuer Voralpenlandschaft durch das gesamte Westallgäu zieht.
Wichtige Adressen und Telefonnummern
Tourist Information, Stadtplatz 1, 88161 Lindenberg i. Allgäu, Tel. 08381 803-28, Fax 08381 803-88, e-mail: touristinformation@lindenberg.de, Internet: www.lindenberg.de