Auf einer sonnigen Höhenterrasse am Fuße des 1638 m hohen Sorgschrofen liegt die Gemeinde Jungholz. Mit seinen Ortsteilen Langenschwand, Gießenschwand und Habsbichl liegt der Ort als einzige Tiroler Gemeinde im Allgäu und ist ganz von deutschem Staatsgebiet umgeben. Nur am Gipfel des Sorgschrofen berührt Jungholz über einen geometrischen Punkt Tirol und somit das österreichische Mutterland. Das Bergdorf hat sich einen familiären Charakter bewahrt.
Kleiner Blick ins Geschichtsbuch
Im Grenzregulierungs- und Staatsvertrag von 1844 und 1850 erhielt Jungholz die volle Zuerkennung zur Landeshoheit Österreichs und die endgültigen Grenzen. Seit dem 3. Mai 1868 besteht der Zollvertrag, der Jungholz wirtschaftlich an Deutschland anschließt. Wirtschaftlich ist Jungholz bis zum 31.12.1994 deutsches Zollanschlussgebiet gewesen. Am 01.01.1995 ist Österreich der Europäischen Union beigetreten und somit sind die Zollanschlussgebiete weggefallen.
Sehenswürdigkeiten
Die Pfarrkirche Jungholz wurde im Jahre 1714 erbaut und in den Jahren 1739 bis 1743 erweitert. 1781 wurde die Kirche mit einem Deckenfresko ausgestattet, welches Maria als Gnadenspenderin zeigt. 1788 erfolgte die feierliche Weihe der Kirche zu Ehren Marias durch den Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus. 1970 wurde die neue Orgel angeschafft. In den Jahren 1994/1995 wurde die Kirche renoviert.
Kulturelles
Lesespaß finden die Gäste in der Touristikinformation.
Alphornblasen, Standkonzerte, Modenschauen, Zithermusik, Tanz- und Unterhaltungsabende machen den Aufenthalt zum unvergesslichen Erlebnis.
Feste und Feiern
Die Jungholzer vertreiben den Winter und die Kälte mit einem großen Funkenfeuer. Am Funkensonntag, dem Sonntag nach Aschermittwoch, wird Holz zu einem großen Haufen geschichtet, obenauf die so genannte „Funkenhexe“. Bei Einbruch der Dunkelheit wird das Feuer entzündet. Die Zuschauer können sich mit heißem Jagertee oder Glühwein und den so genannten Funkenküchle, einem süßen Schmalzgebäck, stärken.
Bereits in einem Bericht des Benediktinerklosters Lorsch von 1090 wird das Funkenfeuer erwähnt. Und noch heute pflegen viele Gemeinden im schwäbisch-alemannischen Raum diesen Brauch, der die Vertreibung des oft strengen Winters symbolisiert, jedoch nicht mit den Hexenverbrennungen im Mittelalter in Verbindung steht.
Herz-Jesu-Feuer erleuchten die Gipfel.
Die Licht-Bilder, die am zweiten Wochenende nach Fronleichnam entzündet werden, erinnern an die Franzosenkriege und an das Jahr 1796. Mit der herannahenden Dämmerung steigt die Spannung. Die Blicke sind auf die umliegenden Gipfel gerichtet, die allmählich im Dunkel verschwinden. Endlich flammt der erste Lichtpunkt auf, gleich daneben der zweite, der dritte, der vierte. Es entsteht eine geschwungene Linie, die sich zu einem Herzen formt, darüber ein Kreuz. Plötzlich lodern überall Flammenbilder auf und erhellen die frühe Nacht.
Die Feuer haben eine lange Tradition. Sie verweisen auf die Franzosenkriege, in denen das Land Tirol unter die Herrschaft der mit Napoleon verbündeten Bayern geriet. In der größten Not weihten die Gläubigen anno 1796 ihre Heimat dem Herzen Jesu. Gleichzeitig gingen die Männer hinauf in die Berge und entzündeten die Feuer als weithin sichtbaren lodernden Widerstand. Aus diesem Aufbegehren von einst ist heute gelebtes Brauchtum geworden. Übrigens: In einem Feuerbild stecken bis zu 200 Lichter. Das flammende Schauspiel dauert gut eine Stunde, dann ist das letzte Feuer erloschen. Die einzigartige Atmosphäre, die das Herz-Jesu-Feuer alljährlich erzeugt, schwingt aber noch lange nach.
Freizeit- und Sportmöglichkeiten
Im Sommer
Berg- und Wanderfreunde können mit einem ortskundigen Führer reizvolle Ziele in der Umgebung kennen lernen. Seltene Pflanzen am Wegesrand, blauer Himmel, Berge zum Greifen nah: Hier muss man dem Reiz der Gebirgslandschaft verfallen.
Sennereibesichtigung in Wertach und Grillabende sorgen für einen abwechslungsreichen Urlaub. Auskunft erteilt die Touristikinformation im Gemeindehaus, Telefon 0043 (5676) 8120. Termine werden per Plakataushang und in der Gästezeitung bekannt gemacht. Traumhaft schön am Hang liegt das beheizte Felsen-Frei-Schwimmbad mit Sport- und Kinderbecken. Die Kleinen finden hier auch einen Kinderspiel- und Sportplatz.
Im Winter
Im Winter begeistert Jungholz mit seinem Skigebiet, das für die ganz Kleinen ein eigenes Kinderski- und Spielland, das „N’Ice Baer-Land“, bereithält. In und um Jungholz gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Skitouren. Anschluss an das Loipennetz von Unterjoch und Oberjoch sowie ans Tannheimer Tal runden das Winterangebot ab.
Von Januar bis März werden geführte Schneeschuhwanderungen angeboten. Schneeschuhe können ausgeliehen werden. Mit Schneeschuhen durch die glitzernde Winterwelt, abseits von Wegen und Loipen, das Vergnügen ganz besonderer Art. Erik Beißwenger in Unterjoch (Tel. 08324 901699) und Peter Fischer in Wertach (Telefon 08365 1270) organisieren romantische Pferdeschlittenfahrten.
Hans-Peter Müller (Telefon 0043 (5676) 8212) bietet in seiner Skischule Kurse für Kinder und Erwachsene an. Für die Langläufer ist 5 Kilometer Rundkurs gespurt. Der 5 km langer Skiwanderweg hat direkten Anschluss zum 2-Länder-Loipennetz Oberjoch – Tannheimer Tal. Auch zum Rodeln bieten die Schneewiesen reichlich Gelegenheit. Conny’s Kaufhäusl ist Ski- und Snowboardspezialist und bietet Sofort-Service für alle Skier und Snowboards. Es ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet (Tel. 0043 (5676) 8407). Skiverleih und Skiservice findet der Gast auch bei Sport Mayr (Tel. 0043 (5676) 8144).
Ganzjährig
Alle neune heißt es auf der Kegelbahn im Vital-Hotel Tirol (Telefon 0043 (5676) 8161) und im Gasthaus Lochbihler (Telefon 0043 (5676) 8103). In den ortsansässigen Hotels findet der Gast ein reichhaltiges Angebot an Hallenbädern, Saunen, Solarien, Fitnessräumen und Tischtennis.
Wandern
Jungholz bietet mit seiner unverfälschten Natur und seiner von Schadstoffen unbelasteten Höhenluft ideale Voraussetzungen für Spaziergänge und Wanderungen. Eine reizvolle Tour führt um den Sorgschrofen über die Scheidbachalpe zur Vilstalsäge, wo man nach rechts abbiegt und einem wunderschönen romantischen Weg entlang der Vils nach Rehbach (1072 m) wandert, wo das sonnig gelegene Gasthaus Alpenrose zum Verweilen einlädt, ehe man über Unterjoch wieder nach Jungholz gelangt.
Der Panorama-Höhenweg ist ebenfalls bei den Gästen sehr beliebt. Die Freiluft-Kneippanlage bietet nach einer Wanderung eine erholsame Erfrischung.
Oberhalb von Jungholz, direkt im Wandergebiet, liegt die Schrofen-Hütte. Die Terrasse bietet eine herrliche Aussicht. Zünftige Hüttenabende und flotte Almpartys tragen zu einem unvergesslichen Urlaubstag bei.
Radfahren
Jungholz ist für Radtouren ein idealer Ausgangspunkt, sei es die sportliche Herausforderung oder der Ausflug mit der ganzen Familie.
Ähnlich wie bei der Wanderung geht es von Jungholz zur Scheidbachalpe, links der Vils entlang nach Pfronten (882 m) und weiter nach Vils und Musau, wo in einem gemütlichen Gasthaus an der Straße Einkehrmöglichkeit besteht, um sich zu stärken, ehe man nach rechts die Straße verlässt und kräftig in die Pedale tritt Richtung Musauer Alm und Otto-Mayr-Hütte (1530 m) in den Tannheimer Bergen, für den Mountainbiker ein äußerst lohnendes Ziel.
Eine andere schöne Tour führt von Jungholz nach Oberjoch (1136 m), wo man an der ersten Kreuzung links abbiegt ins Tannheimer Tal nach Zöblen und Grän (1138 m) und wieder links durch den Ort ins malerische Engetal. Eine rasante Abfahrt bringt den Biker über den Grenzübergang Pfronten-Fallmühle hinunter nach Pfronten. Je nach Kondition wählt man die Strecke Nesselwang – Wertach – Jungholz oder den schattigen Weg entlang der Vils über die Scheidwang-Alpe zurück nach Jungholz.
Wichtige Adressen und Telefonnummern
Tourismusverband Tannheimer Tal, A-6675 Tannheim 110, Tel. 00 43 (56 75) 62 20-0, Fax 00 43 (56 75) 62 20-60; E-mail: info@tannheimertal.com, Internet: www.tannheimertal.com